Die Geschichte des Schellentals

Entwicklungsgeschichte

Anfang der 1950er Jahre richtete die Stadt Bad Pyrmont am Schellenhof, einem kleinen Seitental, umgeben von bewaldeten Höhen, eine Zeltjugendherberge ein. Auf diesem Gelände stand zu jener Zeit ein altes Dampfziegeleigebäude, das schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr als solches genutzt worden war, die ehemalige „Dampfziegelei Schellenhof“. In von der Stadt zur Verfügung gestellten Armeezelten konnten damals Wanderer und Urlauber, die meist mit dem Fahrrad unterwegs waren, hier eine Herberge finden.

 

In einem Nebengebäude, unserem heutigen „Vordergebäude“ vorn an der Straße, in dem sich damals die Arbeiterunterkunft der Ziegelei befand, richtete sich der aus Chemnitz stammende Albert Patzig, der Vater des heutigen Campingpark-Besitzers Michael Patzig, etwa zur selben Zeit eine Strumpffabrik ein. Schon zu damaligen Zeiten besaß dessen Frau Käthe außerordentliche Kochkünste und versorgte aus dem Küchenfenster heraus die Zelter und vorbeikommenden Wanderer mit heißer Suppe. Daraus entstand dann etwa 1957 die Idee der noch recht kleinen Familie Patzig, zukünftig die Jugendherberge zu leiten, da der wirtschaftliche Erfolg der Strumpffabrik ausblieb.

Umbau des Ziegeleigebäudes

Die folgenden Jahre wurde das alte Ziegeleigebäude nach und nach um- und angebaut. In der großräumigen Halle, in der vor Jahrzehnten die mächtige Dampfmaschine gestanden hatte, wurde ein Speisesaal für die meist jugendlichen Urlauber eingerichtet. Auf Lehmboden entstand dort, wo die Lehmziegelpresse jahrzehntelang ihren Dienst verrichtet hatte, eine noch eher provisorisch ausgestattete Küche, in der Käthe Patzig von nun an – zu Beginn noch mit einem Holzofen aus Zeiten des Reichsarbeitsdienstes – die Gäste bekochte. An selbigem Ort befindet sich heute die Küche des Gasthof Schellental, und man kann hier noch ein altes Überbleibsel aus alten Zeiten entdecken: eine alte, eiserne Türangel ragt im Peterstüble aus der Wand, an welcher früher jenes Tor befestigt war, durch welches die gepressten Ziegel mittels einer Güterlore zu einem Ringofen hinaus transportiert wurden, um dort gebrannt zu werden.

 

Sanitäre Anlagen wurden erbaut, und es wurden Schlafsäle mit klappernden Armeebetten ausgestattet, auf die als Unterlage strohgefüllte Jutesäcke gelegt wurden, und von nun an konnten es sich die Gäste mit ihren Decken und Schlafsäcken darauf gemütlich machen.

 

Später wurde ein Jugendherbergsverein gegründet, dessen Vorsitzender Albert Patzig war. Als Mitglieder dieses Vereins versorgten zahlreiche Pyrmonter Unternehmer die Herberge mit ihren Waren, wie zum Beispiel Bäckermeister Albert Rühmann, Fleischer Stahlmann oder Lebensmittelhändler Blume.

Von der Zeltjugendherberge zum Campingplatz

Beim Ausbau der Jugendherberge konnten zum Teil sogar die Gäste als Arbeitskraft gewonnen werden. So etwa verputzte 1953 Herr Hans-Dieter Wundes, ein Maurer aus Halle/Saale die Außenfront des Haupthauses, in der er sein Maurerzeichen hinterließ, das noch heute dort zu sehen ist. Über 40 Jahre später leistete Herr Wundes der Stadt Bad Pyrmont einen erneuten Besuch ab, und war recht erstaunt, sein Werk noch unverändert vorzufinden.

 

Als die harten Nachkriegsjahre nun allmählich dem Wirtschaftswunder wichen und man im Allgemeinen etwas wohlhabender wurde, ergab es sich, dass vermehrt der ein oder andere mit dem Auto und eigenem Zelt, und später sogar mit einem Wohnwagen anreiste. So bestanden eine Zeit lang Jugendherberge und Campingplatz nebeneinander, bis sich die Jugendherberge für Wanderer letztendlich komplett in einen Campingplatz für Urlauber verwandelte. Dieser wurde bis zum Jahre 1986 von Albert Patzig verwaltet, bis er in den Besitz seines Sohnes Michael Patzig überging, der sich zu dieser Zeit allerdings als Besitzer einer Autoverwertung seinen Lebensunterhalt verdiente.

 

Deshalb befand sich bis 1994 unser Campingpark in holländischer Leitung von Herrn Gilles den Boer, nach welchem unser „Gilles-Platz“ (an den Wohnmobilstellplätzen) benannt wurde, und dessen Familie noch heute treue Dauergäste auf unserem Platz sind. Nachdem dieser in den Ruhestand eingetreten war, wurde die Leitung des Campingplatzes wieder in Familienhand übernommen.

 

Im Jahre 1997 zog Michael Patzig mit seiner Frau Dagmar und seinen drei Kindern Kirsten, Alina und Michael Junior wieder ins schöne Schellental, und übernahm die Leitung des Platzes. So wohnten bis 2010 zwei Patzig-Familien unter einem Dach, denn der jüngere Bruder Alexander Patzig kehrte nach seinem Studium auch wieder ins Schellental zurück und gründete eine Familie.

 

Doch die magische Anziehungskraft des idyllischen Schellentals gab keine Ruhe, sodass im Sommer 2010 auch die älteste Tochter Kirsten sich hier wieder einfand, um von nun an den Gasthof Schellental zu leiten, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten André Bete, dessen Eltern als frisch gebackene Dauergäste bei uns ebenfalls des Öfteren frische Waldluft schnuppern.